Extreme Wetterereignisse gehören längst zu den zentralen Risikotreibern der Versicherungswirtschaft. Eine aktuelle Studie in der Fachzeitschrift Nature Geoscience zeigt nun deutlich: Europa verzeichnet weltweit den stärksten Anstieg sehr großer Hagelereignisse.
Die Untersuchung analysiert globale Trends bei Hagel mit Korngrößen von mindestens fünf Zentimetern und deren wirtschaftliche Auswirkungen seit den 1950er Jahren. Ihre Ergebnisse sind insbesondere für Versicherer, Rückversicherer und Risikomodellierer relevant.
Die wichtigsten Erkenntnisse der Studie
Weltweite Hagelklimatologie
Im Rahmen der Studie wurde eine weltweite Hagelklimatologie auf Basis der ERA5 Reanalyse erstellt. Dabei fokussierten sich die Autoren auf atmosphärische Bedingungen, die sehr großen Hagel von fünf Zentimeter begünstigen und ein Modelltraining über Hagelbeobachtungen und Blitzdaten. Klimatologische Hagelschwerpunkte sind auf der Abbildung 1 zu erkennen. Großhagel tritt demnach häufig vor allem im Mittleren Westen der USA, östlich der Anden im Norden Argentiniens sowie in Südafrika. Weitere Schwerpunkte liegen in Australien, Teilen des tropischen Afrikas und rund ums Mittelmeer.

Europa sticht weltweit hervor
Während sich die Entwicklung großer Hagelereignisse regional stark unterscheidet, zeigt Europa einen klaren Trend:
- Deutliche Zunahme sehr großer Hagelereignisse
- Steigende wirtschaftliche Schäden
- Besonders hohe Relevanz für urbane Räume und hochversicherte Regionen
Die Studie zeigt außerdem, dass die Schadenentwicklung in Europa stärker mit dem tatsächlichen Anstieg der Hagelereignisse zusammenhängt als beispielsweise in den USA oder Australien.
Schäden steigen nicht überall aus denselben Gründen
Ein besonders wichtiger Punkt aus Sicht der Versicherungswirtschaft:
Europa
Hier steigen Schäden vor allem aufgrund eines zunehmenden physikalischen Risikos („Hazard“).
Das bedeutet: Große Hagelereignisse treten häufiger auf.
USA und Australien
Dort spielen vor allem steigende Sachwerte, höhere Reparaturkosten und zunehmende Exponierung eine Rolle.
Die Anzahl extremer Hagelereignisse steigt dort weniger eindeutig.
Konsequenzen für Versicherer
Die Ergebnisse unterstreichen die Notwendigkeit, bestehende Risiko- und Schadensmodelle weiterzuentwickeln.
1. Risikomodelle aktualisieren
Historische Schadendaten allein reichen zunehmend nicht mehr aus, um zukünftige Risiken realistisch abzubilden.
2. Regionale Analysen vertiefen
Europäische Hagelrisiken entwickeln sich regional sehr unterschiedlich. Hochauflösende Modelle gewinnen an Bedeutung.
3. Prävention stärker berücksichtigen
Hagelresistente Bauweisen, Schutzmaßnahmen und Präventionskonzepte können Schadenpotenziale reduzieren. Versicherungsnehmer können mit Hilfe von Unwetterwarnungen Schäden vermeiden.
4. Klimarisiken strategisch integrieren
Die Studie zeigt erneut, dass sekundäre Naturgefahren wie Hagel erhebliche Auswirkungen auf Portfolios und Kapitalmodelle haben können.
Fazit
Die neue Studie liefert wichtige Hinweise darauf, dass sich das Hagelrisiko in Europa strukturell verändert. Für Versicherungsunternehmen bedeutet das:
- Klimarisiken regional differenziert betrachten
- Physische Risiken und Exponierung getrennt analysieren
- Modelle und Underwriting-Strategien kontinuierlich anpassen
Gerade in Europa könnte Hagel künftig eine noch bedeutendere Rolle innerhalb der Naturgefahrenbewertung spielen. MeteoIQ unterstützt Versicherungen bei der Analyse von Risiken und Integration von Handlungsempfehlungen in den Geschäftsbetrieb.
Quelle:
Battaglioli, F., Taszarek, M., Groenemeijer, P. et al. Contrasting trends in very large hail events and related economic losses across the globe. Nat. Geosci. 19, 52–58 (2026). https://doi.org/10.1038/s41561-025-01868-0
