Hitzewelle Juni 2026

In der letzten Dekade des Juni 2026 wurden in Deutschland neue Temperaturrekorde verzeichnet. Wie kam es zu dieser Hitzewelle und welche Temperaturwerte wurden maximal erreicht?

Bisherige Temperaturextreme in Deutschland

Flöchendeckende Temperaturmessungen liegen in Deutschland seit 1881 vor, wenn man von einzelnen Messreihen absieht, die wie in Berlin bis in den Beginn des 18. Jahrhunderts zurückreichen, über die aber nicht immer ausreichend viel bekannt ist über Art und Ort der Messung. Somit werden Angaben über Höchstwerte meist auch auf diesen Zeitraum bezogen, wenn auch viele Datenreihen der jetzt noch messenden Stationen erst nach dem zweiten Weltkrieg beginnen.

Abgesehen von einzelnen Heißen Tagen mit Temperaturmaxima von 30°C und mehr im Frühjahr oder Herbst treten in fast in jedem Sommer in Deutschland Perioden auf, in denen entweder Heiße Tage über einen längeren Zeitraum zu beobachten sind, oder in denen die Temperatur lokal und (noch) kurzzeitig über 35°C (Sehr heißer Tag) oder inzwischen sogar über 40°C (Extrem heißer Tag) steigt.

Am 25.07.2019 wurde die bis zu diesem Jahr höchste Temperatur in Deutschland mit 41,2°C in Tönisvorst und Duisburg-Baerl gemessen. Die Graphik des Deutschen Wetterdienstes zeigt, wie an diesem Tag Heiße, Sehr heiße und Extrem heiße Tage verteilt waren.

Verteilung der Höchsttemperatur in Deutschland am 25.07.2019 (Quelle: Deutscher Wetterdienst)

Der Schwerpunkt mit Maxima über 40 °C lag im Ruhrgebiet, aber auch im Saarland sowie Rhein-Main-Gebiet. Teilweise wurden neue Allzeitrekorde am 25.07.2019 verzeichnet.

Messstationen, an denen am 25.07.2019 eine Höchsttemperatur von 40 °C und mehr gemessen wurde (rot: Allzeitrekorde bis zu diesem Datum)
(Datenquelle: Deutscher Wetterdienst)

Vor dem 25. Juli 2019 wurde als Maximum 40,5 °C in Geilenkirchen (NATO Air-Base) am 24.07.2019 bereits zum deutschlandweiten Rekordwert. Zuvor war es 2015 Kitzingen, wo am 05. Juli und am 07. August 2015 jeweils 40,3 °C, und damit das bis dahin neue Maximum, erreicht wurde. In diesem Jahr wurde auch der bis 2025 für Berlin-Dahlem (Messreihe seit 1908) geltende Rekordwert von 37,9 °C (04. Juli 2015) aufgestellt.

Im Sommer 2003, dem damals als Jahrhundersommer bezeichneten Sommer wegen einer etwa 14 Tage anhaltenden Hitzeperiode im August, wurde die 40 °C-Marke zwar ebenso überschritten, doch wurde mit maximal 40,2 °C in Freiburg im Breisgau und in Karlsruhe nur der am 27.07.1983 (Gärmersdorf) bereits aufgestellte Rekord erreicht. Vor 1983 gab es keinen Tag, an dem die Temperatur auf 40 °C gestiegen war, mit 39,6 °C am 02. Juli 1952 hielten Neustadt/Weinstraße und Schallstadt-Mengen viele Jahre den Temperaturrekord.

Neue Temperaturrekorde

Ende Juni 2026 nun wurden an vielen Stationen die bis dahin dort geltenden Temperaturrekorde und auch der bisherige in Deutschland gemessene Maximalwert übertroffen, und das teils von Tag zu Tag. 41,3 °C waren es maximal am 26.06.2026 in Saarbrücken-Burbach im Saarland, 41,5 °C am 27.06.2026 in Möckern-Drewitz in Sachsen-Anhalt, 41,7 °C am 28.06.2026 in Neißemünde-Coschen in Brandenburg, was nun der neue deutschlandweite Rekord ist.

Messstationen, an denen am 26.06.2026 eine Höchsttemperatur von 40 °C
und mehr gemessen wurde
(rot: Allzeitrekorde bis zu diesem Datum)
(Datenquelle: Deutscher Wetterdienst)
Messstationen, an denen am 27.06.2026 eine Höchsttemperatur von 40 °C und mehr gemessen wurde
(rot: Allzeitrekorde bis zu diesem Datum)
(Datenquelle: Deutscher Wetterdienst)
Messstationen, an denen am 28.06.2026 eine Höchsttemperatur von 40 °C und
mehr gemessen wurde
(rot: Allzeitrekorde bis zu diesem Datum)
(Datenquelle: Deutscher Wetterdienst)

Auslöser der Hitzewelle

Ursache solcher Hitzewellen ist ein Zirkulationsmuster, das mit einem Hochkeil über Mitteleuropa die hier sonst vorherrschende Westströmung blockiert, sodass warme Luft in der Höhe nach Norden gelangt. Bei im Hochdruckgebiet Absinken der aufsteigenden Warmluft wird die Luft komprimiert und wird so noch wärmer. Im Hoch meist wolkenloser Himmel lässt die Sonne ungehindert die Luft erwärmen. In der Jahreszeit des Sonnenhöchststandes stehen somit mehr als 15 Stunden am Tag für die Aufheizung der Luft zur Verfügung. Kommt noch hinzu, dass die Luft zuvor an der Westflanke des Hochs aus Nordafrika nordwärts gelenkt wurde, kann es zu besonders hohen Temperaturen kommen.

Blockierende sommerliche Hochdruckwetterlage (Graphik: Petra Gebauer)

Die aktuelle Wetterlage ähnelt als klassische hochsommerliche Hitzelage der Situation in der letzten Julidekade 2019. Auch damals baute sich im 500 hPa-Niveau ein von Nordafrika nach Frankreich weisender Hochkeil auf, der die Strömung über Westeuropa ab dem 22.07. auf Südwest drehen ließ. Damit gelangte zunächst nach Frankreich, mit weiterer Verlagerung der Achse des Hochkeils nach Osten ab dem 24.07. auch nach Deutschland sehr heiße Luft. Am 25. Juli 2019 erstreckte sich der Hochkeil direkt vom Mittelmeer bis in die Mitte Europas.

500 hPa-Höhen- und Bodenwetterkarte vom 25.07.2019, 00 UTC (Quelle: Berliner Wetterkarte e.V.)

So wurde die 40 °C-Marke am 23.07.2019 zunächst in Frankreich überschritten, Brive-la-Gaillarde meldete maximal 42,1 °C. In Deutschland steigerte sich die Hitze im Bereich des Bodenhochs „Yvonne“ bis zum 25.07. auf ihren Höhepunkt, wobei der Schwerpunkt mit Temperaturmaxima über 40 °C im Rhein-Main-Gebiet, sowie vor allem im Ruhrgebiet lag. Die Stationen Tönisvorst und Duisburg-Baerl verzeichneten, wie oben beschrieben, an diesem Tag eine Höchsttemperatur von 41,2°C.

500 hPa-Höhen- und Bodenwetterkarte vom 26.06.2026, 00 UTC (Quelle: Berliner Wetterkarte e.V.)

Mit 41,3°C war es am 26.06.2026 die Station Saarbrücken-Burbach, die diesen Rekord nun einstellte, und das bereits am Ende des ersten Drittels des meteorologischen Sommers und nicht erst am Ende des Hochsommers wie 2019. Dabei wies die erste Junihälfte in diesem Jahr nur wenige Sommertage auf, im Südwesten Deutschlands waren es nur etwa 5, im Nordosten um 2.

In Berlin-Dahlem war in diesem Juni die Temperatur zunächst nur am 2. und am 8. über 25°C gestiegen. Seit dem 18.6. verging kein Tag, an dem dieser Wert nicht überschritten wurde, teilweise auch die 30 °C-Marke.
Mit maximal 39,0 °C wurde am 27.06.2026 der bisherige Rekord für den Monat Juni in der 1908 beginnenden Dahlemer Reihe eingestellt, wenn auch 40 °C im Südwesten Berlins nicht erreicht wurden. Dieser betrug bisher 37,6 °C und stammt aus dem Jahr 2019, dem Jahr in dem, wie zuvor erwähnt, die Temperatur Ende Juli im Westen Deutschlands ihr bisheriges Maximum erreichte. In Dahlem war der Juni 2019 mit einer Mitteltemperatur von 21,9°C der wärmste Juni überhaupt, gleiches gilt für den Juni 2019 deutschlandweit mit einem Mittel von 19,8°C.

Es bleibt abzuwarten, ob mit der aktuell vorerst beendeten Hitzewelle im Juni 2026 die Basis gelegt wurde für eine ähnlich heiße Periode im kommenden Juli.

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