Am 1. Juni begann der Meteorologische Sommer – in diesem Jahr in Deutschland nach kurzem Zwischenhocheinfluss mit Schauer und Gewitter bringenden Tiefdruckgebieten. Am 4.06.2026 nahm Tief „Peggy“ Kurs auf Mitteleuropa.

Die Tiefdruckgebiete lenken bei ihrem Weg über die bei zunehmendem Sonnenstand bereits deutlich erwärmten europäischen Landmassen auf ihrer Rückseite Luft aus Nordwesten heran. Und damit Luft, die aus dem Subpolargebiet kommt und über zu dieser Jahreszeit noch kalte Meeresoberflächen strömt, was zu einem deutlichen Temperaturrückgang über Land führen kann.

(Quelle: Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie)
Dieser Kaltlufteinbruch, der als meteorologische Singularität früher häufig um den 10. bis 12. Juni auftrat, wurde in den letzten Jahren immer seltener. Dennoch findet man zwischen dem 04. und 20. Juni immer wieder Episoden, die einen deutlichen Rückgang der Temperatur zeigen. Dieser fällt mit der Zeit der Schafschur zusammen und wird deshalb Schafskälte genannt.
Das Tiefdruckgebiet „Peggy“ zog am 04.06.2026 mit seinem Zentrum vom Norden der Britischen Inseln in 24 Stunden vor die norwegische Küste. Seine Ausläufer verdrängten in dieser Zeit die am Vortag eingeflossene Warmluft mit deutlich kühlerer Luft, die über der Nordsee und dem Ärmelkanal gut Feuchtigkeit aufgenommen hatte. Über den zu dieser Jahreszeit durch Sonneneinstrahlung schon recht aufgewärmten Landmassen bildeten sich zahlreiche Schauerwolken, die der Windrichtung folgend in Schauerstraßen von Südwest nach Nordost über Westeuropa und weiter über Deutschland zogen.
Die Temperatur, die in Berlin-Dahlem am 04. Juni noch ein Maximum von 24,1°C erreicht hatte, lag am Mittag des 05. Juni nur noch bei 18,8°C.



Mit der einfließenden kühlen Meeresluft traten regional sehr unterschiedlich starke Schauer und Gewitter auf. Der Schwerpunkt in Deutschland lag im Landkreis Ludwigslust-Parchim (Südwesten Mecklenburg-Vorpommerns). Aus Redefin wurden 59,9 mm in 8 Stunden gemeldet, 39,4 mm allein zwischen 17 und 18 Uhr MESZ.
Zwischen den einzelnen Schauerstraßen gab es auch einzelne Streifen, die nur wenig oder sogar gar kein Niederschlag verzeichneten. Dazu zählt der von Südwest nach Nordost orientierte Streifen zwischen Karlsruhe und Schwedt an der Oder. Hier fielen meist nicht mehr als 2 mm, nur im Stau des Thüringer Waldes wurden bis zu 6,4 mm (Frankenblick-Mengersgereuth-Hämmern) registriert. Gänzlich trocken blieb es im Lee des Thüringer Waldes (zwischen Bad Berka und Bad Lauchstädt) als auch im Baruther Urstromtal sowie im Kraichgau.
Bei kräftigen Schauern und Gewittern, in denen starke Auf- und vor allem auch Abwinde herrschen, wird der im oberen Bereich der hoch reichenden konvektiven Wolken herrschende stärkere Wind nach unten transportieren. So traten am 04. Juni am Rande der Schauer- und Gewitterwolken heftige Böen auf, die meist Stärke 7 Beaufort, lokal aber auch deutlich mehr erreichten: z.B. 22,1 m/s (9 Bft) in Gülzow-Prützen oder Sembach, 27,8 m/s (10 Bft) auf dem Brocken im Harz.
21,6 m/s (9 Bft) meldete Potsdam am frühen Abend, als die Gewitter auch den Berliner Raum erreichten, in Berlin-Dahlem lag die Spitzenböe dagegen bei nur 12,4 m/s (6 Bft).

Während die brandenburgische Landeshauptstadt in einer Stunde 7,1 mm Niederschlag dabei verzeichnete, blieb es in Dahlem, das die Gewitter nur streiften, mit 0,8 mm deutlich trockener.

(Quelle: MeteoIQ GmbH)
In den Nachbarländern ging es teilweise turbulenter zu. In dem niederländischen Ort Glanerbrug im Osten der Niederlande hinterließ ein Tornado eine Schneise der Verwüstung.
Im südlichen und westlichen Alpenraum sorgte die sich dort wellende Kaltfront des Tiefs „Peggy“ für Niederschlagsmengen über 30 mm, im Tessin auch über 50 mm (Carena 81,4 mm, 12-stündig).
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