Stark- und Dauerregen rund um das Mittelmeer

Starkregen

Große Niederschlagsmengen können an einem Ort zusammenkommen, wenn entweder einzelne Schauer, häufig verbunden mit Gewittern, kurzzeitig intensive Niederschläge bringen, man spricht dann von Starkregen. Auslöser ist die Konvektion, eine vertikale Luftbewegung, bei der feucht-warme Luft aus Bodennähe aufsteigt, sich dabei abkühlt, die in ihr enthaltende Feuchtigkeit kondensiert, es entstehen Wolken, aus denen Niederschlag fallen kann. Die Bildung von Niederschlagspartikeln ist umso intensiver, je höher die warme Luft aufsteigen kann, was umso weiter ist, je kälter die Luft in der Höhe ist. Ein starke Temperaturabnahme der Umgebungsluft mit der Höhe ist also meist eine gute Voraussetzung für die Entstehung intensiver Schauer. Man spricht auch von labiler Schichtung der Atmosphäre.

stark vereinfachte Darstellung von Konvektion mit hochreichender Wolkenbildung und heftigen Schauern
(Graphik: Petra Gebauer)

Dauerregen

Große Niederschlagsmengen können an einem Ort auch zusammenkommen, wenn Niederschläge mit geringer Intensität über einen langen Zeitraum anhalten, man spricht dann von Landregen oder Dauerregen. Auslöser ist die Advektion, feucht-warme Luft gleitet auf kalte Luft auf. In den an der Grenze entstehenden stratiformen Wolken entstehen meist nur kleine Niederschlagspartikel. Diese können in der Summe bei ortsfester Lage des Systems dennoch zu beachtlichen Niederschlagsmengen führen.

stark vereinfachte Darstellung von Advektion mit Bildung einer ausgedehnten Wolkenschicht und flächenhaften Niederschlags
(Graphik: Petra Gebauer)

Besonders groß können Niederschlagsmengen ausfallen, wenn beide Prozesse zusammenkommen, in Wetterberichten wird dann oft von „schauerartig verstärkten Regenfällen“ gesprochen.

Tief „Harry“ und das Höhentief

Aus einem von Island bis zur Iberischen Halbinsel reichenden Trog schnürte sich zum 19.01.2026, 00 UTC, im 500 hPa-Niveau ein eigenständiges, mit Kaltluft angefülltes Höhentief ab. So lagen die Temperaturen in etwa 5,5 km Höhe in dessen Bereich bei Werten unter -25°C, was über dem an seiner Oberfläche rund 15 °C warmen Mittelmeerwasser ein hohes Aufsteigen der Luft in dieser labil geschichteten Atmosphäre zur Folge hatte. Es entstand Tief „Harry“, in dem die von Norden einfließende Kaltluft mit der subtropischen Meeresluft verwirbelt wurde.

Höhenwetterkarte für 500 hPa und Bodenanalyse, 19. bis 22.01.2026, 00 UTC
(Quelle: Berliner Wetterkarte e.V. und Aktion Wetterpate)

In Konsequenz der aufsteigenden Luft bildeten sich Schauer- und Gewitterwolken, aus denen teils ergiebige Niederschläge fielen.

Meteosat-Bilder vom 19.01.2026, 00 UTC, bis 22.01.2026, 23 UTC (Quelle: Berliner Wetterkarte e.V.)

Durch die langsame Verlagerung des Tiefdruckgebietes „Harry“ im Mittelmeerraum kamen lokal teils über 500 l/m2 Niederschlag in etwa vier Tagen zusammen, zum Vergleich in Berlin fallen im Jahr knapp 600 l/m2. 24-stündig meldeten einzelne Stationen über 150 l/m2. Schwerpunkt der Niederschläge waren Korsika, Sardinien und Sizilien.

Niederschlagsmenge auf Korsika vom 17.01.2026, 18 UTC, bis 20.01.2026, 18 UTC,
sowie die 10 niederschlagsreichsten Stationen
(Quelle: MeteoIQ GmbH)
Niederschlagsverlauf an der Station Bocognano auf Korsika, 17. bis 20.01.2026
(Quelle: MeteoIQ GmbH)
Niederschlagsmenge auf Sardinien vom 17.01.2026, 06 UTC, bis 22.01.2026, 06 UTC,
sowie die 10 niederschlagsreichsten Stationen
(Quelle: MeteoIQ GmbH)
Niederschlagsverlauf an der Station Gairo – Genna Tuvara auf Sardinien, 17. bis 21.01.2026
(Quelle: MeteoIQ GmbH)
Niederschlagsmenge auf Sizilien vom 17.01.2026, 06 UTC, bis 22.01.2026, 06 UTC,
sowie die 10 niederschlagsreichsten Stationen
(Quelle: MeteoIQ GmbH)
Niederschlagsverlauf an der Station Fondacelli auf Sizilien, 17. bis 21.01.2026
(Quelle: MeteoIQ GmbH)

Nicht nur der anhaltende, ergiebige Niederschlag sorgte für Schäden, hinzu kamen Windböen bis Orkanstärke, wie auf Sardinien, wo zu Tagesbeginn des 20.01.2026 38,3 m/s an der Station San Michele (902 m) registriert wurden.

Windböen auf Sardinien, 17.01.2026, 06 UTC, bis 22.01.2026, 06 UTC, Maxima und stündliche Werte (FG1) am 20.01.2026 in San Michele (Quelle: MeteoIQ GmbH)

Auch weiterhin kommt es in der Mittelmeerregion zu Niederschlägen, sodass die Monatssummen für den Januar weiter steigen.

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